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Bildnachweis: © von cynoclub /Adobe Stock (bearbeitet)

Momentan sitze ich an der hoffentlich letzten Überarbeitung von WDWG. Die Anmerkungen meiner Quasi-Lektorin sind verarbeitet, Füllwörter gefunden, direkte Rede angepasst und nun suche ich mit Hilfe von Papyrus Autor nach stilistischen und weiteren Fehlern. Und, wie könnte es anders sein, natürlich findet der Perfektionist in mir eine Textstelle nach der anderen, die man, also ich, doch irgendwie treffender, besser oder komplett anders schreiben könnte.

Wenn du mir auf Instagram folgst, hast du vielleicht die Diskussion in meinem Feed dazu mitbekommen. Zwischenzeitlich habe ich mich gefühlt wie eine nix-blickende Total-Versagerin, die es nicht gebacken bekommt, zwei Sätze aneinanderzureihen, die halbwegs so klingen, als hätte ich die sechste Klasse beendet.

Das Perfektionismus-Monster ist nie satt.

Es ist mein erstes Buch. Aber es nicht der erste Text, den ich abgabebereit aufpolieren muss. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen wissenschaftlichen Hausarbeiten und fiktiven Liebesgeschichten. Für uns Leser zumindest. Das Perfektionismus-Monster sieht in allen Wörtern, die meine Finger tippen, aber die gleiche Chance, mir zu verdeutlichen, dass ich es immer noch nicht gut genug gemacht habe.

Die Anmerkung anderer Autoren, einfach mal einen Schlussstrich zu ziehen, weil man ja irgendwann sowieso nur noch verschlimmbessern würde, stimmt natürlich. Aber wann kommt dieser Punkt? Wann weiß ich, dass es nun wirklich gut ist. Gut genug? Werde ich das überhaupt jemals wissen? Werde ich tatsächlich in ein paar Wochen bereit sein, mein Buch in fremde Hände zu geben? Fremde, objektive Augen darüber schweifen zu lassen und ihren Besitzern die Möglichkeit zu geben, zu kritisieren, woran seit neun Monaten mein Herz hängt?

Babys müssen nicht überarbeitet werden.

Ein bisschen ist das wie mit einem Baby, bei dem du möchtest, dass es von allen geliebt wird, dem keiner etwas Böses tun soll und dem du den besten Start in diese Welt ermöglichen willst. Und dass, obwohl du es doch selbst noch gar nicht richtig kennst. Du hast zwar eine Vorstellung von ihm oder ihr (manchmal weißt du nicht mal das), hast es lieben gelernt, als du es noch nicht in der realen Welt gesehen hast, aber wirklich kennenlernen kannst du es erst, wenn du es in den Armen hältst und in seiner ganzen Pracht bewundern darfst. Aber sein Buch darf man nicht als Baby betrachten. Man muss sich davon lösen, es als Produkt sehen und auf gar keinen Fall emotional reagieren, wenn jemand es mit Füßen tritt, vielleicht sogar mehrere Leute auf einmal.

Sicher doch. Wer bitte kann das? Mir ist natürlich klar, dass Kritik unglaublich wichtig ist. Wirklich. Ich weiß das. Und nach den ersten zehn Sekunden, in denen ich versuche, die Worte des Kritikers mit ausgeklügelter Argumentation zu entkräften, während ich mir die frische Wunde, die sie mir zugeführt hat, lecke und mit Jodsalbe betupfe, bin ich auch sehr dankbar dafür, dass es Menschen gibt, die ehrlich zu mir sind. Aber deswegen geht sie nicht spurlos an mir vorbei. Und ich behaupte jetzt einfach mal ganz frech, dass das auch gut so ist. Denn, würde mir dieses Buch, oder was auch immer ich da geschrieben habe, nicht so wichtig sein, dass die kritische Stimmen mich berühren kann, dann wäre es wohl auch kein besonders gutes Buch. Dann würde da keine Liebe drin stecken, keine Emotionen.

Aber ich schweife mal wieder ab, was im Übrigen einer der Gründe ist, warum Überarbeiten für mich ein essentieller Bestandteil der Schriftstellerei ist.

Vielleicht wird es beim nächsten Buch leichter. Vielleicht muss ich viele Erfahrungen machen, um zu verstehen, worauf es wirklich ankommt. Aber bis dahin poliere ich mein Manuskript auf Hochglanz, suche nach Unstimmigkeiten und fehlenden Kommas und versuche, jede erdenkliche Kleinigkeit zu beseitigen, die den Lesefluss stören könnte, oder der Geschichte etwas von dem nimmt, was sie ausmachen soll. Und das alles in der Hoffnung, dabei die Balance zu halten zwischen einer unzureichenden Überarbeitung und einer Verschlimmbesserung, die dem Deutsch in Briefen auf Recyclingpapier von verschiedenen Ämtern zu nahe kommt. Und immer steht hinter mir der Typ mit der schwarzen Kutte und flüstert mir zu, dass es vielleicht nicht reichen könnte. Dass ich einfach nicht gut genug bin. Dass ich das aber sein muss. Von Anfang an.

Aber dann, dann kommt diese eine Passage. Die, die ich wirklich liebe. Die ich schon beim Schreiben geliebt habe. An der ich bei jeder Überarbeitung mit einem wohlig warmen Gefühl im Bauch hängen bleibe. Der ich jedesmal meine kostbare Zeit widme, um sie zweimal zu lesen. Die so viel über die Geschichte aussagt, sie so sehr verkörpert, dass sich ein Lächeln über mein Gesicht ausbreitet, ich die fehlerhafte Verwendung der direkten Rede korrigiere und zuversichtlich zum nächsten Kapitel voranschreite. Mit etwas Vorsprung vor dem Dementor, äh, dem Perfektionismus-Monster.

Wort für Wort, Step by Step, Bird by Bird.

Danke, dass du hier liest! Ich freue mich über dein Feedback und deine Nachricht.

Deine Andrea

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