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BLOG-BEiTRÄGE

Komm mit in Piyas und Bennets Welt 💖 Ich teile mit dir in diesem Blog die ersten Kapitel von Siebzehn Jahre. Ohne mich. Mit dir. mit dir. Ich wünsche dir viel Freude beim Lesen. Alles Liebe, Andrea

 

VIER

Alt & Anfänge

Ich hörte den Weckton meines Handys auch durch die Wände und geöffneten Türen hindurch. Aber ich wollte ihn nicht in mein Bewusstsein dringen lassen. Wie war es möglich, dass er schon klingelte? Ich war doch gerade erst eingeschlafen.

„Piya, du musst aufstehen.“ Bennet rekelte sich neben mir und zog mir die Decke vom Körper.

„Das ist gemein.“ Ich wollte sie zurückziehen, aber er hielt sie fest.

„Julia wartet auf dich.“ Er drehte sich auf die Seite und kuschelte sich in die Decke.

„Ich will nicht. Lass mich zurück unter die Decke.“ Ich schlang einen Arm um ihn und versuchte, die Decke aus seinem Griff zu befreien.

Er drückte sie fester an sich. „Nein.“

„Warum nicht?“ Ich gab auf und rollte mich zurück auf den Rücken.

„Weil du heimlich mit meiner Zahnbürste das Klo putzen wirst, wenn ich dich jetzt nicht mit aller Gewalt aus dem Bett werfe.“

Er lachte und ich grummelte ein paar gemeine Worte. Mein Ärger verschwand. Es war schön, mit Bennet aufzuwachen. Seine Wärme fühlte sich vertraut an und er hatte fast immer gute Laune, weshalb es auch nach so einer kurzen Nacht leicht war, in den Tag zu finden.

Wir schliefen nur gelegentlich miteinander. Anfangs war es nur aus der Not heraus geschehen. Es war nicht gerade leicht, einen anderen Mann so gut kennenzulernen, dass man Sex mit ihm haben wollte, wenn man zuhause eine Familie versorgte und sich in der Ausbildung befand.

Aber mit der Zeit wurde es irgendwie zur Gewohnheit. Zu einer sehr angenehmen Gewohnheit, der wir nur dann nicht folgten, wenn einer von uns beiden es tatsächlich schaffte, jemanden kennenzulernen. Das geschah selten und wenn, dann hielt es nie besonders lang. Wer wollte schon mit jemandem zusammen sein, der ein Kind hatte und mit dem anderen Elternteil zusammenwohnte?

Irgendwie war es ein Teil unserer Freundschaft, miteinander zu schlafen. So wie es zu unserer Freundschaft gehörte, dass wir einander umarmten, wenn es einem von uns nicht gut ging. Oder wenn es einem von uns besonders gut ging. Oder dass er mich mit einem Kuss auf die Wange begrüßte, wenn ich ihn von der Arbeit abholte.

„Piya.“

„Ist ja schon gut. Irgendwie habe ich jetzt allerdings ziemlich große Lust, das Klo zu putzen.“ Ich schwang die Beine über die Bettkante. „Ich mache schnell Frühstück. Allerdings musst du dich wohl mit einem Müsli begnügen.“

Auch Bennet stand auf. Er war nackt, genau wie ich, und sah sich suchend um.

„Da drüben.“ Ich deutete auf den kleinen Wäscheberg, der teilweise vom Bett gerutscht war.

Er fischte seine Shorts daraus hervor und zog sie über. „Müsli? Niemals. Außerdem würde es länger dauern, die Küche von den Milchspritzern zu befreien, als uns ein paar Eier in die Pfanne zu schlagen.“ Er kam auf mich zu, schlug mir auf den Po und verließ das Zimmer.

„Ha ha. Ich bin ja wohl die Ordentliche hier. Manchmal klingen wir echt wie ein altes Ehepaar.“ Ich rieb mir über die Pobacke und ging ihm grinsend nach.

„Stell dir vor, wie wir klingen würden, wenn wir das tatsächlich wären.“

„Das will ich nicht.“ Ich zögerte. „Also, mir vorstellen, wie wir uns dann anhören würden.“Konnte ich den Satz so stehen lassen? Es wirkte, als fände ich den Rest der Vorstellung gar nicht so schlecht. Also rief ich ihm hinterher: „Und mit dir verheiratet sein will ich erst recht nicht.“

Ich hörte ihn lachen.

Auf dem Weg in die Küche machte ich einen Schlenker in mein Zimmer, um mein Telefon zu holen.

„Piya, lass das Ding bis nach dem Frühstück warten.“ Er kannte mich zu gut.

Ich erwiderte nichts, entsperrte das Gerät und fand eine Nachricht von meiner Mutter. Seit Livia ein Handy hatte, liebte sie es, über Kurznachrichten zu kommunizieren, was mir nur recht war. Es war leichter für mich, die kleinen Texte in den Alltag einzubauen, als Telefonate. Auf diese Nachricht hätte ich allerdings gern verzichtet.

‚Ich habe gestern mit Tamara telefoniert. Sie hat erzählt, dass Lukas seit ein paar Jahren auf Bali lebt. Wusstest du das? Soll ich sie nach seiner Adresse fragen?‘

Das Telefon glitt mir aus der Hand, fiel jedoch aufs Bett. Lukas. Ausgerechnet Lukas.

„Kommst du?“ Bennet steckte den Kopf in die Tür, sah das Telefon vor mir liegen und wollte danach greifen. „Das Ding hier ist konfisziert.“

Ich war schneller, riss das Handy an mich und löschte die Nachricht von meiner Mutter.

Verwirrt hielt er inne. „Hast du einen geheimen Verehrer?“

Zwei Sekunden lang starrte ich ihn an. Dann bewegte mein Kopf sich langsam von links nach rechts und wieder zurück. Ich versuchte mich an einem Grinsen und scheiterte. „Es sei denn, du denkst, ich stehe auf Frauen.“

Er runzelte die Stirn.

„Ähm … die Nachricht war von meiner Mutter.“ Ich legte den Kopf schief. Es war keine Lüge.

Er lächelte, wenn auch etwas zögerlich. „Alles klar. Aber wenn du ihr geantwortet hast, kommt das Ding weg. Keine Displays am Küchentisch.“

„Ist das eine neue Regel?“

Er nickte nur und verließ den Raum, in dem ich mich fragte, warum ich ihm nicht einfach die Wahrheit erzählt hatte. Andererseits lag der Grund auf der Hand. Das letzte Mal, als Lukas und Bennet aufeinander getroffen waren, hatten sie sich ins Krankenhaus geprügelt. Ich hatte keine Ahnung, ob die Wut zwischen ihnen auf eine ähnliche Weise aufwallen würde wie vor siebzehn Jahren.

Entgegen all meiner Befürchtungen wurde das Groß-Event zwei Tage später ein voller Erfolg. Oder vielleicht lag es auch an meinen Befürchtungen, denn ich hatte jeden einzelnen Punkt auf meiner Checkliste zwanzig Mal kontrolliert und so unter anderem verhindert, dass die Blumenlieferantin die doppelte Menge an Gestecken anfertigte. Der Kunde war begeistert und buchte die Agentur für zwei weitere Veranstaltungen im Herbst und im Winter. Und ich war vor allem erleichtert. Wir hatten es tatsächlich geschafft.

In den zwei Wochen nach dem Event gönnte ich mir trotzdem keine Pause, weil ich Julia während unseres Urlaubs mit so wenig Arbeit wie möglich allein lassen wollte. Ich rechnete es ihr hoch an, dass sie sich bereit erklärt hatte, den Laden allein zu schmeißen. Aber ich wusste nur zu gut, welche unvorhergesehenen Dinge geschehen konnten. Es waren keine Veranstaltungen in den drei Wochen geplant, aber sie würde ausreichend damit zu tun haben, die vorangegangenen aufzuarbeiten und anstehende Events zu planen, sowie auf Anfragen zu reagieren.

Ich hatte Bennet versprochen, in den drei Wochen nicht zu arbeiten, und ich hatte vor, mich daran zu halten. Es würde mir schwerfallen, ja. Aber in den letzten Wochen war ich zu oft an meine Grenzen gestoßen.

Schließlich kam der Tag, an dem ich den Laden abschloss und zu Bennet ins Taxi stieg. Wir würden direkt zum Flughafen fahren. Die gepackten Sachen befanden sich im Kofferraum und Bennet trug sein breitestes Grinsen im Gesicht.

Es übertrug sich sofort auf meinen Mund. Im selben Moment sanken meine Schultern ein paar Zentimeter in Richtung Sitz und meine Brust schien sich beim Atmen weiter ausdehnen zu können. Pause. Drei Wochen Pause. Ich liebte meinen Job, aber in den vergangenen Monaten hatte ich zu viele Aufträge in zu kurzer Zeit erledigt und nun das Gefühl, dass es ohne Auftanken nicht weitergehen konnte. Wie gut, dass ich Julia noch damit beauftragt hatte, nach einer weiteren Mitarbeiterin zu suchen. Vielleicht sollte ich ihr noch einmal …

„Piya?“ Bennet tippte mit dem Zeigefinger gegen meine Stirn. „Schalt die Kiste da oben aus.“

Ich lächelte. Dankbar. „Okay.“ Das hatte Zeit. Vielleicht brauchte ich ja nach dem Urlaub auch gar niemanden mehr und wir konnten die Anzeige wieder löschen. Ich musste eigentlich nur meine Tanks wieder befüllen. Mit der neuen Energie konnte ich auch die Aufgaben wieder mit größerer Freude und Gelassenheit stemmen. Vielleicht war es noch zu früh für einen weiteren Mitarbeiter. Vielleicht bekamen wir das auch zu zweit hin.

„Alles hat Zeit, bis wir zurück sind.“

„Ja, du hast recht.“ Nun gut, vielleicht nicht alles. Mein Notizbuch würde sich in den nächsten Wochen mit Ideen und Aufgaben füllen. Da war ich sicher. Aber das hier hatte Zeit.

„Du musst all das für eine Weile loslassen.“ Er setzte sich neben mich und befestigte seinen Gurt. „Und ich werde dafür sorgen.“

„Oh Gott. Bitte sag mir, dass du kein umfassendes Sportprogramm entwickelt hast, mit dem du meinen Hintern in Form bringen willst.“

Der Taxifahrer lachte auf.

„Dein Hintern hat genau die richtige Form.“

„Und was sind dann deine Pläne?“

„Ich habe keine.“

Ich runzelte die Stirn.

„Wir lassen alles auf uns zukommen.“

„Alles?“

„Alles.“

Der Taxifahrer tippte die Adresse des Flughafens in sein Handy ein und startete den Wagen.

„Wobei, nicht alles. Über eine Sache müssen wir sprechen.“

Ich runzelte die Stirn.

„Deine Mutter hat mich angerufen.“

„Wollte sie schon wieder nachbohren, warum wir ohne Livia auf die Liebesinsel Bali fliegen?“

Er grinste nicht. „Ja, das auch.“

„Sie macht sich Hoffnungen, dass wir doch noch zusammenkommen. Die wird sie wahrscheinlich nie ablegen.“

Er erwiderte nichts und nun wusste ich, warum sie ihn angerufen hatte.

„Bennet?“

„Sie hat mich gefragt, wie ich es finde, dass wir auf die Insel fliegen, auf der Lukas arbeitet.“

Jetzt war ich diejenige, die schwieg. In mir breitete sich ein drückendes Gefühl aus. Wie hatte ich erwarten können, dass meine Mutter nicht auch Bennet über Lukas´ Wohnort informierte, wenn wir drei Wochen dort verbringen würden? Wie hatte ich ihm diese Sache verschweigen können?

„Sie war etwas verwundert, dass ich es noch nicht wusste, wo sie es dir doch schon vor zwei Wochen erzählt hat.“ In seiner Stimme lag Ärger. Kaum greifbar, aber er war da.

Ich sah ihn an. „Ich fand es nicht so wichtig.“

Seine Augen weiteten sich. „Nicht wichtig?“

„Es ist eine große Insel. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir ihn treffen, ist nicht besonders hoch.“

„Warum hast du es mir nicht einfach erzählt?“

Ich schnaubte. „Das letzte Mal, als ihr beide aufeinandergetroffen seid, war nicht gerade mit einem lustigen Kaffeeklatsch zu vergleichen.“

„Ja, und genau deswegen verstehe ich nicht, dass du so etwas vor mir verheimlichst.“ Er unterdrückte seine Wut weiterhin, zeigte mir aber deutlich, dass er von mir erwartet hätte, dass ich mit ihm sprach.

„Was hättest du denn getan? Hättest du den Urlaub doch abgesagt? Hättest du mich allein fliegen lassen?“ Tatsächlich waren das die Gründe gewesen, aus denen ich es ihm nicht erzählt hatte. Ich wollte diesen Urlaub mit ihm, auch wenn die halbe Welt nicht verstand, dass wir gemeinsam und ohne Livia wegflogen.

Er brummte ein „Nein“ und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Es hätte dir die Vorfreude genommen.“ Ich griff nach seinem Arm und zog ihn aus der Verschränkung. „Ich bin sicher, dass wir ihn nicht treffen werden.“

Er schwieg.

„Bennet?“

„Es ist eine große Insel.“

„Richtig. Wir werden ihn nicht treffen.“

Er atmete tief durch. „Vermutlich hast du recht.“

„Natürlich.“ Ich reckte das Kinn vor. „Ich habe immer recht.“

Er blickte mich ernst an. „Nicht, als du mir nicht erzählt hast, dass dein Ex-Freund auf unserer Liebesinsel wohnt.“

„Unsere Liebesinsel?“ Ich hob die Augenbrauen, spürte aber, dass das Thema erledigt war. Dass Bennet einen Abzweig genommen hatte.

„Die Worte deiner Mutter.“

„Bennet?“

„Ja?“

„Es tut mir leid.“

Er sah mich für einen Moment an und nickte dann langsam. „Es ist nicht okay, aber ich verstehe es.“

„Und ich verstehe dich. Es tut mir leid.“

Er ließ seine Hände sinken und griff nach meiner. Eine Weile schwiegen wir, bis er sagte: „Ich konnte unsere Zimmer umbuchen. Offenbar gab es so viele Reservierungsanfragen, dass wir das Einzelzimmer ohne Kosten stornieren können.“ Er lächelte mich verschmitzt an. „Das bedeutet natürlich, dass wir uns ein Zimmer teilen. Und ein Bett.“

„Oh, wie schrecklich.“ Ich erwiderte sein Lächeln auf die gleiche Art und die Anspannung, die sich in den vergangenen Minuten aufgebaut hatte, fiel von mir ab. Es war so unkompliziert mit Bennet. Von Anfang an war es wunderbar unkompliziert gewesen. Trotz der Herausforderung, mit siebzehn Jahren Eltern zu werden. Trotz den dunklen Prophezeiungen der anderen und dem Ärger unserer Eltern über unseren Umzug. Bennet und ich hatten immer zueinander gehalten. In jeder einzelnen Situation war Bennet für mich, war ich für Bennet dagewesen. Und egal, was der andere gerade brauchte, irgendwie waren wir immer imstande dazu, es ihm zu geben.

Die nächsten drei Wochen würden leicht sein. Genauso leicht, wie es unsere Freundschaft war. Auch wenn es in diesen Wochen vielleicht etwas mehr sein würde als Freundschaft.

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