Über das Schreiben.

Der erste Beitrag.

Jeder Blog beginnt mit ihm. Dem ersten Artikel. Und ich liebe leere Seiten, neue Notizbücher und frisch erstellte Word-Dokumente oder Scrivener-Projekte. Aber so ein leerer Blog… Es gibt tausend Dinge, die ich hier schreiben möchte. Von denen ich dir erzählen will, aber etwas hält mich davon ab, einfach damit anzufangen, bevor ich nicht diesen einen ersten Eintrag geschrieben habe.

Und so sitze ich jetzt hier. In meinem IKEA Pjöang-Sessel, die Füße auf dem passenden Hocker, den ich für zehn Euro in einer Schöneberger Altbau-Wohnung gekauft habe. Neben mir steht eine Weinkiste voller Bücher von Edgar Ellen Poe’s Meistererzählungen, über Stephen King’s ‘on writing’ und Dorothy Parker’s ‘Portable’ bis hin zu ‘Klassischer Musik für Dummies’, Joschka Fischer’s ‘Der Abstieg des Westens’ und Büchern über Yoga und Taekwondo. Obendrauf steht ein Ingwer-Tee, auf der Tasse steh ‘lo que hago con mi that tiempo es lo que hago con mi vida’. Ich höre selber, wie das klingt. Aber so sieht sie nunmal aus, meine Leseecke.

Ja und seit einigen Monaten ist es nicht nur mehr nur meine Leseecke, sondern vor allem meine Schreibecke. Hier habe ich mir einen Traum erfüllt. Ich habe mein erstes Buch geschrieben. Ich wollte das schon immer machen. Ich war nicht besonders früh dran mit dem Schreibenlernen, aber als ich es konnte, habe ich es ständig getan. Tagebücher und kleine Geschichten als Kind, verstörende Gedichte und Erzählungen als Teenager, Blogs und Journals danach. Ich wollte immer schreiben. Ich wollte immer etwas schreiben, das andere lesen. Ich wollte andere berühren, sie unterhalten und ihnen etwas Neues erzählen. Aber vor allem auch wollte ich schreiben, weil ich beim Schreiben bei mir selbst war.

Und immer war er da. Dieser Wunsch, ein Buch zu schreiben. Aber ich habe es nie getan. Und dann habe ich Stephen King’s ‘Memoir of Craft’ gelesen, bzw. gehört (dieser Mensch liest fast noch besser, als er schreibt. Nein, tut er nicht. Aber er liest wirklich unglaublich gut) und ich wusste, ich will jetzt anfangen. Das war im November. Und dann habe ich es getan. Ich habe eine Geschichte aufgeschrieben, die schon sehr lange in meinem Kopf gewuselt hatte. Ich habe mir ein tägliches Ziel von 1.000 Wörtern gesetzt und es fast täglich vor 7.00 Uhr morgens erreicht. Ich habe wild drauf losgeschrieben, ohne jemals etwas vom Plotten gehört zu haben. Der Großteil der Geschichte war einfach schon da. Und ehrlich gesagt, fällig es mir leichter, mit etwas anzufangen, was ich nicht akribisch geplant habe. Die Organisation der Story geschah mittendrin. Und irgendwann war der erste Entwurf fertig.

Ich fand ihn schrecklich. Und wundervoll. Ich wollte so viel ändern und in manche Sätze war ich richtig verliebt. Dieses Gefühl, das eigene geschriebene zu überarbeiten, hat mich schon immer fasziniert. Ich habe es geliebt, dass zu verbessern und zu reflektieren, was ich einfach so geschrieben hatte. Aber bei einem Buch ist dieses Erlebnis so anders. Das Wissen, dass ich es geschafft hatte, diese Geschichte ungefähr so aufzuschreiben, wie ich es gewollt hatte… Das ist ein unglaublich tolles Gefühl.

Und jetzt gerade hat meine erste Erstleserin den Entwurf gelesen, den ich als fertig genug betrachtet hatte, um ihn jemandem zu zeigen. Ein Moment, den ich nie vergessen werde. Es hat sich so ähnlich angefühlt, wie wenn ich mich mitten auf dem Ku’Damm nackt ausgezogen und dabei sämtliche Peinlichkeiten meines bisherigen Lebens vorgetragen hätte. In so einem, ich denke besonders dem ersten, Werk steckt so viel von einem selbst. Es hätte wahrscheinlich mein Herz gebrochen, wenn sie es mies gefunden hätte. Aber so war es nicht. Sie hat es innerhalb von zwei Tagen verschlungen, und das besonders deshalb, weil ich ihr die Kapitel nur nach und nach geben konnte.

Und jetzt, mit diesem Feedback, finde ich endlich auch den Mut, hier zu schreiben. Ich habe so viel vor mit diesem Blog. Ich will dir mehr über mein erstes Buch erzählen. Mehr über die Menschen darin und über Personen und Dinge, die ich anspreche. Und ich will dich teilhaben lassen an künftigen Projekten. Du sollst hier Kurzgeschichten und Gedanken zum Schreiben, zum Leben, zur Liebe finden. Und ich möchte mit dir teilen, welche Bücher und Geschichten, mich fesseln.

Willkommen auf meinem Blog, der mir jetzt schon so viel bedeutet. Und genauso viel bedeutet es mir, dass du hierher gefunden hast und diesen Eintrag bis zum Ende gelesen hast.

_Deine Andrea

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29. Mai 2018

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