Über das Schreiben.

Papyrus Autor – Lohnt sich die Investition?

Ein paar Dutzend Leute haben mich gebeten, meine Erfahrungen mit Papyrus Autor zu teilen. Das tue ich gern. Aber ich möchte darauf hinweisen, dass ich auf gar keinen Fall den kompletten Funktionsumfang der Software beurteilen kann. Und das auch gar nicht will. Die folgenden Zeilen sind zudem komplett subjektiv und es kann sein, dass ich manches vergesse oder völlig anders sehe, als die meisten. So, und nach diesen vollkommen demotivierenden orten, die ich vielleicht oder vielleicht auch nicht löschen werde, geht’s nun los:

Ich nutze Papyrus Autor jetzt seit etwa einem Monat. Bis vor drei Monaten kannte ich außer dem Texteditor von Windows, Word und seinen entfernten Verwandten keine Schreibsoftware. Aber, wenn man Bücher schreibt, stolpert man unausweichlich über so genannte Autorenprogramme. Weil mir Papyrus zu teuer war und die Screenshots, die ich von seiner Programmoberfläche im Netz gefunden hatte, nicht gerade den modernsten Eindruck vermittelt haben, griff ich zunächst zu Scrivener. Und ich habe es geliebt. Die Oberfläche ist superclean. Man kann Kapitel verschieben, wie man will. Zusätzliche Seiten anlegen, für Notizen und Recherche. Aber mir hat auch einiges gefehlt. Die deutsche WIN-Version hat eine Rechtschreibprüfung, die die von Word um Längen unterbietet. Die Möglichkeit Notizen zu bestimmten Sätzen zu machen, fehlt, oder ich habe sie einfach nicht gefunden.

Und schließlich habe ich dann doch Papyrus ausprobiert. Das war schon fast ein Angstkauf, weil ich dachte, ohne Lektor würde ich sonst einen völlig hingerotzten Roman abliefern. Das ist natürlich Quatsch. Ich bin ziemlich sicher, dass keine Software das individuelle Stilempfinden eines menschlichen Geistes ersetzen kann. Aber hilfreich ist sie trotzdem. Allein die Möglichkeit, sich alle Füllwörter anzeigen lassen zu können, ist ein Traum. Das hatte ich in Word mit Suchen & Ersetzen gemacht; funktioniert auch, aber nach ein paar Minuten hast du das Gefühl, dein gesamter Text besteht aus den Worten ‚eigentlich‘, ‚ziemlich‘ und ‚schon‘.

Die Stilanalyse und der Duden Korrektor waren also tatsächlich die einzigen Gründe, warum ich Papyrus Autor überhaupt gekauft habe. Eine Menge Geld. Und ich hatte gehofft, dass sich auch der Rest des Programms seines Preises würdig erweisen würde. Wobei, zum Thema Preis muss ich jetzt mal in die Bresche springen für Papyrus. Ich zahle für meine Office 365 jeden Monat mehr als zehn Euro. Da sind natürlich noch einige weitere Programme dabei und viele Updates etc. Wenn ich aber den Duden Korrektor dabei haben will, denn den braucht man wirklich, wie ich finde, dann sind das auch nochmal 70 Euro. Die verbleibenden 110 Euro sind also im Vergleich zu Word (wenn man immer ein aktuelles Programm haben möchte) nicht so viel höher. Außerdem schätze ich es, wenn kontinuierlich daran gearbeitet wird, ein Programm zu verbessern. Das ist eigentlich unbezahlbar. Aber soetwas merkt man erst, wenn die Entwickler ein Produkt plötzlich nicht mehr aktualisieren. Das passiert besonders gern bei Website-Templates.

Aber ich schweife ab. Die alles entscheidende und viel gestellte Frage ist:

Lohnt sich der Kauf von Papyrus Autor, wenn man schon Word hat?

Kurze Antwort: Ja.

 

Lange Antwort: Jaha.

Und hier ist das Warum (wild durcheinander und vollkommen unstrukturiert):

Papyrus bietet mit der Stilanalyse auf keinen Fall einen Ersatz für dein persönliches Textgefühl. Aber ich kann dir gar nicht sagen, wie viele Wortwiederholungen, schwache Verben und Schachtelsätze sie gefunden hat, OBWOHL ich genau danach meinen Text durchscannt hatte. Außerdem findet sie zusammen mit dem Dudenkorrektor Kommafehler (das ist ein ganz schwacher Punkt bei mir, schon immer gewesen), Kongruenz-Seltsamkeiten und sagt dir, wenn sie glaubt, du hättest vielleicht Plural und Singular verwechselt. Sehr nett ist auch, dass das erste Zeichen eines Wortes automatisch zu einem Großbuchstaben wird, wenn du davor einen Satz beendest (also zum Beispiel nachträglich aus einem Komma einen Punkt machst). Und auch die Markierung von durch die Software korrigierten Fehlern finde ich super. Und so sieht mein Text aus, wenn ich die Stilanalyse aktiviert habe:
Nicht alle Hinweise zeigen wirklich Fehler auf. Da kannst du dann aber einfach auf ‚als gelungen ansehen‘ klicken und die farbige Markierung verschwindet. Auch wenn ich selbst diesen Rat sehr ungern höre, aber ich kann dir nur raten, die Testversion runterzuladen und das Ganze auszuprobieren. Wirklich richtig auszuprobieren. Nimm einen deiner Texte oder auch diesen hier und lass die Stilanalyse drüber laufen (Achtung, der Text darf nur eine Seite haben in der Probeversion). Für mich war das bereits der Moment, indem ich mich zähneknirschend für den Kauf entschieden habe. Und ich habe schon von einigen Autoren gelesen, die Papyrus Autor nur dafür nutzen

Wenn dir das noch nicht reicht, kommen hier noch ein paar weitere Gründe. Ich persönlich finde es völlig unverständlich, wenn man diese Funktionen nicht auch nutzt und ich freue mich schon darauf, sie bei meinem nächsten Buch umfassend anwenden zu können.

1. Die Figurendatenbank

Ja, ja, ich weiß. Wahrscheinlich denkst du jetzt: ‚Also, meine Figuren, die habe ich sortiert in einem extra Word-Dokument, oder in OneNote oder EverNote oder in einem schwarzen, ledergebundenen Notizbuch, dass ich im Sekretär meines Großvaters gefunden habe.‘ Das ist wunderbar, aber weißt du, was all diese Varianten nicht können? Sie zeigen dir nicht auf, an welchen Stellen im Buch du die Person verwendet hast. Taucht sie schon im ersten Kapitel auf oder erst im fünften. Ja, ich weiß, Suchfunktion. Aber glaub mir, es ist seeeehr komfortabel, wenn du den Organizer öffnest und, farblich markiert, auf einen einzigen Blick siehst, in welchen Kapiteln der Charakter vorkommt. Und wenn du im Text nur doppelt auf den Namen klicken musst (im Übrigen kannst du auch weitere Spitznamen festlegen, was die Suchen-Funktion direkt blass aussehen lässt) und die wichtigsten Infos zur Person in einem separaten Fenster aufpoppen lassen.

2. Der Navigator

Der Navigator zeigt nicht nur die Titel der jeweiligen Kapitel und den darin enthaltenen Szenen. Ihr könnt innerhalb dieser auch Schlüsselereignisse markieren, Kommentare einfügen, euch anzeigen lassen, welche Figuren in dem Kapitel auftauchen. Ihr könnt den Kapiteln unterschiedliche Tags, wie ‚lektoriert‘ oder ‚wartend‘ etc. zuweisen und sie farbig markieren. So seht ihr zum Beispiel immer sofort, welches Kapitel in welcher Zeit spielt. Mit dem Navigator habe ich selbst noch nicht so viel gearbeitet. Mir ist aber aufgefallen, dass einer meiner Kommentare direkt als Unterpunkt auftauchte und das fand ich unglaublich hilfreich. So sehe ich auf einen Blick, wenn ich in einem Kapitel noch etwas bearbeiten will.

3. Die Programmoberfläche

Die Programmoberfläche ist jetzt nicht so schick wie bei Office 365, aber sehr übersichtlich gehalten und ich komme gut damit klar. Mir war vorallem wichtig, dass ich einen minimalistischen Modus habe. Ich liebe iAWriter und daran kommt Papyrus was den schicken Minimalismus angeht (auch in Bezug auf das Faden von Text etc.) nicht ran. Aber ihr könnt alles ausblenden und im Vollbildmodus arbeiten. In den anderen Modi sind der Organizer, die Klemmbretter und der Navigator und tausend andere Dinge sehr schnell erreichbar.

4. Nach und nach verstehen

Ich finde, man kann gut in das Programm reinwachsen. Ich bin jemand, der erstmal loslegt und dann Handbücher liest. In der Regel nur zu den Aspekten, die ich wirklich nutze. Seltener lese ich die Anleitung von vorn bis hinten. Das passiert, wenn mich etwas wirklich begeistert und ich alles darüber wissen will. Ich habe den Verdacht, dass mir das mit Papyrus auch so gehen wird. Ich entdecke fast jeden Tag eine Funktion, die mich lächeln lässt 😀 und ich würde gern alles wissen.

5. Die Dokumentstatistik

Super interessant finde ich die Dokumentstatistik. Die hat es mir schon während dem Trial angetan. Bis hierher habe ich zum Beispiel 58 Mal ‚ich‘ (Was das jetzt über mich aussagt, könnt ihr entscheiden), und insgesamt 1.197 Wörter geschrieben und die Lesbarkeit ist mittel-anspruchsvoll. Und die Statistik zeigt noch viele weitere Details auf.

6. Der Zeitstrahl

Über den Zeitstrahl kann ich noch nicht viel sagen. Ihr könnt euch dazu aber umfassend im Netz belesen. Ich kann mir gut vorstellen, dass er unglaublich hilfreich ist. Ich habe mir bisher immer so einen Strahl aufgezeichnet und das mehrfach, weil ich immer wieder durcheinandergekommen bin. Hier kann ich einfach sagen, welches Kapitel in welche Zeit gehört und habe den vollen Überblick. Ich kann sogar einzelne Szenen zuordnen. Weiß also, wenn ich das für wichtig halte, ob Anton erst Marie angerufen oder sich ein Nutellabrot geschmiert hat.

7. Erstellen von Normseiten-Texten

Es ist super easy den eigenen Text in Normseiten zu konvertieren. Mit super easy meine ich, es gibt dafür einen Button. Wenn ihr den klickt, erstellt Papyrus ein neues Dokument, in dem euer Text formatiert zu Normseiten erscheint. Ich bin noch immer fassungslos, denn ich erinnere mich sehr gut an diese ganze Umformatiererei in Word.

8. Export in andere Formate

Es ist fast genauso super easy, euer Buch ins epub oder das Kindle-Format mobi zu exportieren. Gleiches gilt für PDF und weitere Formate wie z.B. HTML (das werde ich für diesen Text später zum ersten Mal probieren. Mit ‚fast genauso‘ meine ich, dass ihr ein paar Einstellungen vornehmen könnt, müsst, dürft. Aber das geht schnell und es klappt wirklich gut. Wenn ihr einen Kindle habt, könnt ihr euch die mobi-Datei dann als E-Mail-Anhang auf euer Gerät schicken und seht sofort, wie euer Text auf dem ereader aussieht.

Acht ist eine blöde Zahl, um aufzuhören, aber ich finde, dass das jede Menge Gründe für die Software sind. Ich könnte jetzt graben und mir würden vermutlich noch ein paar einfallen, wie z.B. die Möglichkeit den Buchsatz halbwegs hinzukriegen (zumindest besser als mit Word, aber damit habe ich mich noch nicht soo sehr befasst).

Spricht auch etwas gegen Papyrus?

Ja klar. Man kann ja überall etwas Negatives finden und ich bin mir ziemlich sicher, dass Papyrus nicht für jeden das Richtige ist. Ich bin jemand, die Information sammelt, Listen schreibt und eine ziemlich genaue Vorstellung von den Dingen hat, die sie schreibt. Aber, und das ist ein sehr großes Aber, ich habe das wenigste von all dem von Anfang an im Kopf. Ich plotte nur sehr abgespeckt. Eigentlich ist es eher eine ausführlichere Inhaltsangabe, die noch dazu ständig geändert wird. Aber sobald ich schreibe, will ich einen Überblick haben. Ich will wissen, wann wer was zu wem gesagt hat und wie viele Jahre es her ist, dass Johannes beim Dorfladen Brötchen gekauft hat, die vom Vortag waren.
Und es macht mich wahnsinnig, wenn ich diese Information immer wieder neu finden muss. Auch, wenn ich dafür eine neue Datei öffnen muss, ist mir das oft schon zu viel. Aber stopp, wir waren ja bei den Gegenargumenten.

Autoren-Typen

Also, ich glaube durchaus, dass es Autoren gibt, die mit Papyrus nichts anfangen können. Bzw., die diesen ganzen Funktionsumfang nicht brauchen. Wer am liebsten mit Stift auf Papier schreibt und sich in einem Notizbuch Skizzen von Wohnzimmergrundrissen neben dem Foto der Hauptcharaktere macht, der wird vielleicht weniger mit der Software anfangen können.
Wenn ihr nur den handgeschriebenen Text abtippen wollt, um ihn dann direkt an einen Lektor weiterreichen zu können, dann reicht euch Word allemal. Und auch, wenn es euch nervt, dass ständig daran rumkritisiert wird, wie ihr Füllwörter verwendet und Worte wiederholt, werdet ihr nicht soo viel Spaß mit zumindest der Stilanalyse haben.

Ist Papyrus zu teuer?

Der Preis spricht meiner Meinung nach nicht gegen die Software. Ich finde ihn absolut gerechtfertigt und ich bin auch bereit, für die Updates zu zahlen. Gute Sachen kosten insbesondere im Bereich Software Geld, zumindest ist das meine Erfahrung. Dennoch finde ich es schade, dass es keine Möglichkeit gibt, die Software in drei bis vier Raten zu zahlen. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige dann eher gewillt wären, Papyrus zu kaufen.

Funktionalitäten anders als woanders

Was mich tatsächlich nervt, ist die Rückgängig-Funktion. Vielleicht habe ich sie aber auch nicht verstanden. Wenn ich STRG+Z drücke, klappt alles. Aber STRG+Y bringt mir das Rückgängiggemachte nicht wieder. Deswegen fehlt mir hier gerade der letzte Absatz, in dem ich erklärt habe, dass es nur Kleinigkeiten gibt, die mich an der Software stören. Z.B., dass ich die Symbolleiste nicht anpassen kann, wie ich sie brauche (oder geht das?) Und, dass die Programmoberfläche nicht so supernice aufbereitet ist, wie bei Word. Ich mag es einfach, wenn alles ein bisschen mehr aufgehübscht, aber dennoch sehr clean ist.

Aber das sind alles keine Argumente, die mich vom Kauf hätten abhalten können. Und deshalb schreibe ich hier gerade diesen Artikel und bin dankbar, dass ich gleich noch einmal die Stilanalyse und den Duden Korrektor drüber laufen lassen kann, bevor ich den Text veröffentliche.

Das klingt wie ein bezahlter Lobgesang. Aber das ist es nicht. Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich so viel Geld für ein Schreibprogramm ausgebe. Und ich hätte es nicht getan, wenn mich die Software nicht überzeugt hätte. Und letztendlich müsst ihr selbst entscheiden, ob ihr diesen Wert auch erkennt und natürlich, ob ihr ihn braucht. Ein Stilanalyse kann dir egal sein, wenn du den ersten Entwurf direkt an deinen Lektor weitergibst. So, und nun bin ich fertig 😀

Wenn ihr noch etwas Genaueres wissen wollt, sagt Bescheid. Ich beantworte eure
Fragen gern hier oder bei Instagram.

Eure Andrea

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